Thomas Ritz – Malerei zwischen Bild, Spur und Wirklichkeit
Atelier: Leuengasse 4, 4057 Basel
Atelierbesuch bei Thomas Ritz
Thomas Ritz, geboren 1966 in Basel und in Binningen aufgewachsen, zählt zu den eigenständigsten Vertretern der figurativen Malerei der Schweiz. Nach seiner Ausbildung an der Schule für Gestaltung Basel (1982–1987) hat er sich mit seinen malerischen und zeichnerischen Arbeiten in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland einen Namen gemacht. Für sein Schaffen wurde er unter anderem mit dem Förderpreis der Rheinischen Wirtschaft (1995), dem ARK Basler Kunstpreis (2001) und dem KWS Kunstpreis (2017) ausgezeichnet. Seine Werke befinden sich in bedeutenden Sammlungen wie der Keller-Wedekind-Stiftung Zürich, der Sammlung Betty & Hartmut Raguse-Stauffer Basel, dem Kunstkredit Basel-Stadt und Basel-Landschaft, dem Aargauer Kunsthaus, der Sammlung Jean-Christophe Ammann und dem Hessischen Landesmuseum Darmstadt.
Reflexive Malerei
Thomas Ritz steht in der Tradition der reflexiven Malerei: Bilder, die nicht die Welt abbilden, sondern das Bild selbst, seine Herkunft, seine Konstruktion und sein Verhältnis zur Wirklichkeit zum eigentlichen Thema machen. Er schöpft aus Erinnerungen, Fotografien, Filmstills und musealen Inszenierungen, die er in wassergelöstem Pigment und Acrylharz auf Leinwand zu befremdlich-vertrauten Bildwelten verdichtet. Aus dünnen, lasierenden Farbschichten entstehen Brüche, Leerstellen und mehrere Horizontlinien, die den Bildraum bewusst offenhalten und die eigene Bildhaftigkeit sichtbar machen.
Bild im Dialog
Besonders deutlich wird das in «Diorama – Die Zähmung des Blicks» (2026). Ausgangspunkt ist eine Fotografie, die Thomas Ritz bei einem Besuch im Naturhistorischen Museum Basel aufnahm. Sie zeigt einen Luchs und ein Reh im vermeintlichen Überlebenskampf – tatsächlich aber eine museale Inszenierung, die ein Naturereignis vorspiegelt, das so nie stattgefunden hat. Sein Blick richtete sich zunächst auf die dargestellten Tiere; erst im malerischen Prozess im Atelier werden die Bedingungen ihres ambivalenten Erscheinens schrittweise sichtbar. Aus dem Diorama wird eine Fotografie, aus der Fotografie ein gemaltes Bild. Mit jeder Übertragung verändert sich das Verhältnis zwischen Wirklichkeit und Bild.
In einer Zeit von KI-generierten Bildern gewinnt dieser Blick auf die Bedingungen des Bildes neue Aktualität: Malerei wird für Thomas Ritz zu einem Instrument der Erkenntnis, das das Sehen im Malprozess reflektiert und den Blick für die Fragilität und Ambivalenz von Bildern schärft.
Ritz selbst beschreibt Malerei als «Konzentrat aus Zeit, Materie, Wahrnehmung und Reflexion». Beim Atelierbesuch stehen die neuesten Werke im Mittelpunkt: Besucherinnen und Besucher besichtigen aktuelle Arbeiten direkt im Atelier und erfahren im Gespräch mit dem Künstler mehr über deren Entstehung und die zugrundeliegenden Fragestellungen.
Datum: Freitag, 18. September 2026,
Dauer: 19:00 bis 20:30 Uhr, anschliessend Apero
Ort: Leuengasse 4, 4057 Basel
Anfahrt: Buslinie 30, Haltestelle Erasmusplatz / Map
Eintritt: frei
Anmeldungen bis 15. September: Teilnehmerzahl max. 25